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Die Regeln der Typografie: Besonderheiten des Französischen

Die Arbeit des Übersetzers besteht darin, einen Text neu zu schreiben und die darin enthaltenen Konzepte in einer anderen Sprache neu zu organisieren: eine sprachliche und kulturelle Übertragung, die auch auf unterschiedliche typografische Regeln Rücksicht zu nehmen hat. Im Rahmen dieses Artikels wollen wir die wichtigsten typografischen Regeln einer europäischen Sprache präsentieren, die nach Englisch als eine der meistgesprochenen Sprachen der Welt gilt und in ihrer schriftlichen Form einige typografische Besonderheiten bereithält: es geht um Französisch.

Zuvor sollte aber geklärt werden, was unter dem Begriff Typografie eigentlich genau verstanden wird. Die Verwendung dieses Begriffs reicht weit in die Vergangenheit zurück: So bezog sich das Wort einst im engeren Sinne auf das Handwerk des Druckens mit beweglichen Lettern auf Papier, insbesondere im Hochdruckverfahren. Im Zuge der raschen Entwicklungen im Bereich der Informatik wurde der Begriff dann auf die Kunst und die Verfahren der Gestaltung von Schriftsätzen allgemein (Fonts, Seitenlayout, Schriftauszeichnung) ausgeweitet.

Die französische Typografie

Wie alle Künste, befolgt auch die Typografie in den einzelnen Sprachen ganz genaue Regeln. Was das Thema des vorliegenden Artikels betrifft, hier die wichtigsten typografischen Vorgaben, die bei der Erstellung eines französischen Textes zum Tragen kommen.

Beginnen wir doch gleich beim Titel: Im Gegensatz zum Englischen, wo jedes Wort im Titel groß geschrieben wird (mit Ausnahme der gängigsten Präpositionen wie of, to, at, by, usw.), weist im Französischen nur das erste Wort Großschreibung auf.

Meist wird im Rahmen einer korrekten Großschreibung jedoch vernachlässigt, dass auch die Großbuchstaben stets mit dem richtigen Akzentzeichen versehen werden müssen, wobei im Französischen zwischen drei solcher Akzentzeichen unterschieden wird: aigu (´), grave (`) und circonflexe (^). Wenn diese Akzentzeichen fehlen, kann es zu gewissen Zweideutigkeiten beim Lesen des Begriffs oder Ausdrucks kommen, da die Chancen einer „wackeligen“ Aussprache höher sind, als man vielleicht vermuten mag. Nehmen wir zum Beispiel das Wort „MODELE“: muss es nun als MODÈLE [mɔdɛle] oder MODELÉ [mɔd(ə)le] ausgesprochen werden? In Fällen wie diesen ist das Akzentzeichen für eine korrekte Aussprache also unerlässlich, da von ihm nicht nur der zu betonende Konsonant sondern auch die Aussprache der davorstehenden Wortsilbe abhängt. Ganz zu schweigen von der Bedeutung: modèle ist ein Substantiv und bedeutet „Modell“, modelé ist eine Verbform und bedeutet „geformt, modelliert“. Um die Leser nicht zu verwirren, müssen die Aktzentzeichen daher auch bei Großschreibung gesetzt werden. Als einzige Ausnahme gelten Abkürzungen und Akronyme.

Auch die vier Himmelsrichtungen machen häufig Schwierigkeiten. Schreibt man sie groß? Und wenn ja, wann? Die Antwort lautet folgendermaßen: Man schreibt sie klein, wenn sie als Adjektive verwendet werden, wenn sie eine Richtung angeben oder wenn sie sich auf eine Bedingung, einen Zustand oder eine ortsbezogene Handlung beziehen. Wenn sie hingegen als topographische Bezeichnung oder in Straßennamen verwendet werden, ist der Großbuchstabe die Regel. Wir schreiben zum Beispiel „il est allé au pôle Sud“ (er hat sich zum Südpol aufgemacht) und „il a marché plein sud“ (er ist Richtung Süden gegangen).

Auch die Zeichensetzung kann hin und wieder Kopfzerbrechen bereiten und muss mit der nötigen Sachkenntnis überdacht sein. Eine Interpunktion, die zu wünschen übrig lässt, gilt als Passierschein für eine qualitativ minderwertige Kommunikation. Sie bedarf der nötigen Aufmerksamkeit, damit der Text angenehm gelesen werden kann. Hier ein kleiner Überblick über die meistverwendeten Satzzeichen in den wichtigsten europäischen Sprachen:

  • Komma: markiert eine kurze Pause im Satz. Was den wachsenden „Missbrauch“ dieses Satzzeichens im Deutschen betrifft, soll auf den mittlerweile zum Klassiker gewordenen Text aus der Spiegel-Kolumne von Sebastian Sick verwiesen werden.
  • Semikolon: grundsätzlich dient der Strichpunkt dazu, um zwei zusammengehörige Sätze zu trennen;
  • Doppelpunkt: lässt einen zuvor angekündigten erklärenden Text beginnen;
  • Auslassungspunkte: sie kennzeichnen eine Auslassung zwischen zwei Textteilen sowie vor oder nach einem Wort bzw. einer Wortgruppe, die besonders betont werden sollen.

Was die französische Zeichensetzung betrifft, muss auf eine weitere Besonderheit hingewiesen werden: Wenn ein Text mit Hilfe eines Textverarbeitungsprogramms erstellt wird, muss vor den doppelten Satzzeichen, wie Anführungszeichen, Ausrufezeichen, Fragzeichen und Doppelpunkt immer ein geschütztes Leerzeichen gesetzt werden, um einen ungewollten automatischen Zeilenumbruch zu verhindern.

Was die Anführungszeichen betrifft, muss darauf hingewiesen werden, dass im Französischen ausschließlich die Guillemets (« ») verwendet werden, während die deutschen „Gänsefüßchen“ nicht akzeptiert sind.

Das Thema Anführungszeichen kann sich je nach Sprache unterschiedlich schwierig gestalten. Einen detaillierten Überblick über die Verwendung von Anführungszeichen in den einzelnen Sprachen bietet Wikipedia.

Was hingegen die Ziffern betrifft, verlangt die französische Regelung, dass die Tausendereinheiten von einem Leerzeichen getrennt werden, während die Dezimalstellen mit Komma zu trennen sind (z.B.: 38 542,63).

Eines wird deutlich: Um eine effiziente und für das Zielpublikum leicht verständliche Kommunikation garantieren zu können, darf das Thema Zeichensetzung nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

 

Originally posted 2013-07-15 09:15:42.

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